#012: Warum du deinen „Anfängergeist“ kultivieren solltest

Newsletter vom 30. September 2023

In diesem Führungsimpuls werden wir uns wieder einer Denkweise widmen.

Eine Denkweise, die dir helfen wird, deine Problemlösekompetenz und deine Auffassungsgabe zu erhöhen sowie dein persönliches Wachstum zu beschleunigen.

Nach dem Lesen der heutigen Ausgabe wirst du eine Denkweise kennen, die dir hilft:

  • offen für neue Erfahrungen zu bleiben.
  • Betriebsblindheit abzulegen.
  • ein tiefgreifendes Problemverständnis aufzubauen.
  • schneller zu dem Kern von Problemen vorzustoßen.

Lass uns loslegen.

Der Geist des Anfängers

Weißt du noch, wie deine erste Zeit in deiner heutigen Organisation war?

1000 Eindrücke … und überall sind dir Dinge aufgefallen, die anders waren, als du es bisher kanntest oder dir vorgestellt hattest.

Du hast Arbeitsweisen, Werkzeuge und Prozesse hinterfragt.

Und heute machst du dir wahrscheinlich kaum noch Gedanken darüber. Du bist Teil des Systems geworden.

Wäre es nicht schön, diese Perspektive der Anfangszeit wieder einnehmen zu können, damit du sie gezielt nutzen kannst, um deinen Bereich voranzubringen?

Das kannst du. Diese Perspektive ist unter dem Namen „Anfängergeist“ oder im englischen „Beginners Mind“ bekannt. (Manche Ausdrücke klingen einfach schöner im Englischen …)

Der Anfängergeist beschreibt die Fähigkeit, Dinge so wahrzunehmen, als würdest du sie das erste Mal sehen:

Frei von Vorurteilen, Vorwissen und bereits vorhandenen Meinungen.

Ihn einzunehmen bedeutet: an Situationen so heranzugehen, als ob sie völlig neu wären …

… als ob du sie das erste Mal erleben würdest.

Dadurch schaffst du eine Offenheit für neue Erfahrungen und Perspektiven.

Die Wurzeln des Anfängergeistes liegen im Zen-Buddhismus, wo er als „Shoshin“ bekannt ist.

In diesem Zusammenhang wird er als ein Weg zur Erleuchtung angesehen, ein Weg, sich von den Beschränkungen des konditionierten Denkens zu befreien.

Warum es sich für dich lohnt, deinen Anfängergeist zu kultivieren

Der Anfängergeist ist nicht nur ein philosophisches Konzept, sondern er ist ein wichtiges Prinzip, das dir sowohl in deiner Rolle als Führungskraft, als auch in deinem Privatleben in vielen Situationen helfen kann:

  • dein Wachstum zu beschleunigen
  • Veränderungssignale frühzeitig zu erkennen und schneller darauf zu reagieren
  • innovative Lösungen hervorzubringen
  • Probleme zu erkennen und zu lösen

Wachstum beschleunigen

Wenn wir meinen, etwas schon zu kennen, verschließt sich unser Verstand häufig gegenüber weiteren Aspekten. („Ich weiß ja schon, wie das ist …“)

Das kann dazu führen, dass wir die Chance verpassen, neue Perspektiven oder bisher unbeleuchtete Aspekte zu erkunden … und damit die Chance, wirkliche Meisterschaft in einem Gebiet zu erlangen.

Das Einnehmen eines Anfängergeistes hilft uns dabei, uns von unseren vorgefassten Meinungen, unserem Vorwissen und unseren egozentrischen Überzeugungen zu befreien.

Wodurch wir dann offen sind für neue Aspekte und damit schneller und mehr über ein Gebiet erfahren können, als wir es mit unserer voreingenommenen Perspektive tun würden.

Veränderungssignale frühzeitig erkennen

Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Gewohntes auszublenden und hauptsächlich auf Situationen zu reagieren, die stark von dem abweichen, was wir gewohnt sind oder was wir erwarten.

Selten kommen Veränderungen aber in der Form, dass sie ein deutliches Warnsignal mit sich bringen.

Die meisten Veränderungen passieren so langsam, dass wir sie nicht wirklich bemerken, wenn wir nicht gezielt darauf achten.

Gerade z. B. Beziehungen (privat und beruflich) haben die Neigung, langsam und häufig unbemerkt auseinanderzudriften, bis ein gewisser Punkt erreicht ist, an dem dann die Beziehung zerbricht.

Bei Marktentwicklungen ist das häufig auch so. Netflix hat der Videoverleih-Kette Blockbusters nicht von heute auf morgen das Geschäft weggenommen, sondern langsam und über viele Jahre … bis Blockbuster schließlich Konkurs anmelden musste.

Das Einnehmen des Anfängergeistes kann dir helfen, diese subtilen Veränderungssignale wahrzunehmen, sodass du dann reagieren kannst, wenn du noch Handlungsmöglichkeiten hast – nicht wenn es schon zu spät ist.

Innovative Lösungen hervorzubringen

Innovation entsteht meistens dann, wenn wir mit einer neuen (anderen) Brille auf bestehende Probleme blicken.

Auch hier hilft dir der Anfängergeist, dich von bestehenden Lösungsmöglichkeiten – die du bestimmt alle schon mehrfach betrachtet hast – zu lösen und nach wirklich neuen Ansätzen zu suchen.

Probleme erkennen und lösen

Kein Bereich ist problemfrei.

Allerdings haben wir uns häufig an die bestehenden Probleme gewöhnt oder eine Betriebsblindheit entwickelt.

Und wie Taiichi Ohno (Begründer des Toyota-Produktionssystems) es mal sagte:

„Keine Probleme zu haben, ist das größte Problem von allen.“

Daher kann es helfen, den eigenen Bereich mit dem Anfängergeist zu betrachten, um die Probleme, an die man sich schon gewöhnt hat, wieder als solche zu erkennen, zu hinterfragen und zu lösen.

4 Wege, deinen Anfängergeist zu kultivieren

1. Lege dein Ego beiseite

Eine der größten Herausforderungen beim Einnehmen des Anfängergeistes geht von unserem eigenen Ego aus.

Wir glauben häufig, dass wir alle Antworten parat haben müssten.

Und meinen, dass wenn wir diese nicht haben, es ein Zeichen von Schwäche, mangelndem Wissen oder mangelnder Kompetenz ist.

Die Realität ist jedoch: Die Erkenntnis, etwas nicht zu wissen, ist der Anfang des Lernens.

Deshalb müssen wir unser Ego beiseitelegen und uns stattdessen freuen, wenn wir etwas nicht wissen. Denn wir haben einen Impuls zum Lernen erhalten.

2. Suche nach dem Neuen im Alltäglichen

Ein weiteres großes Hindernis beim Einnehmen des Anfängergeistes ist die Eigenschaft unseres Gehirns, das Alltägliche auszublenden.

Das ist für unser Gehirn energiesparender, als wenn es ständig allem seine Aufmerksamkeit schenken würde.

Dennoch kannst du aktiv versuchen, im Alltäglichen neue Aspekten oder Perspektiven zu entdecken.

Das lohnt sich besonders bei Themen, die dir am Herzen liegen – wie Beziehungen – oder von denen dein Erfolg abhängig ist.

Wie hat sich etwa die Stimmung in deinem Team in den vergangenen Monaten oder Wochen entwickelt?

Es ist bestimmt nicht alles gleich geblieben – auch wenn es den Anschein hat. Suche nach den Feinheiten, den subtilen Signalen und sei offen für sie, wenn sie sich zeigen.

3. Fördere deine Neugier

Eine weitere Möglichkeit deinen Anfängergeist zu kultivieren ist, den eigenen Geist stets in einem Zustand der Neugier zu halten.

Meisterschaft ist ein Prozess und kein Zustand. Das bedeutet immer wieder neue Aspekte zu erkennen und zu ergründen. Es geht darum, die Details, die Nuancen zu (er-)kennen.

Das geht nur, indem man die eigenen Annahmen immer wieder infrage stellt und sich auf unterschiedliche, neue Perspektiven einlässt.

4. Übe dich in Achtsamkeit

Achtsamkeitspraktiken wie Meditation, Achtsamkeitsübungen etc. können dir helfen, einen Anfängergeist zu entwickeln.

Denn die Praktiken helfen dir, dein Bewusstsein in das „Hier und jetzt“ zu bringen, anstatt dass es sich in der Vergangenheit (Erfahrungen) oder in der Zukunft (Vermutungen) aufhält.

Außerdem können Achtsamkeitspraktiken dir helfen, die „Stimmen in deinem Kopf“ früher zu erkennen. („Das weiß ich doch schon … ist ja nichts Neues …“)

Wenn wir gelernt haben, diese Stimme zu erkennen, können wir ihre Lautstärke herunterdrehen und stattdessen eine neue Stimme kultivieren, indem wir uns bewusst fragen: „Was kann ich hier Neues lernen?“

Die Balance zwischen der Erfahrung und dem Anfängergeist finden

Wenn dir beim Lesen die Frage kam: „Aber was ist mit meiner Erfahrung und meinem Fachwissen? Darf ich nicht mehr darauf zurückgreifen?“

Natürlich darfst – und sollst du.

Stell dir beides vor wie Brillen, die du aufsetzt, um dir jeweils eine neue Perspektive zu geben.

Die Kunst besteht darin, beide Brillen aufzusetzen und dann beide Erkenntnisse in deinen Entscheidungsprozess einfließen zu lassen.

In einer Welt, die sich kontinuierlich weiterentwickelt, ist es notwendig, sein Wissen entsprechend weiterzuentwickeln (siehe dazu die Newsletter-Ausgabe: Methoden sind gut – Prinzipien sind besser).

Der Anfängergeist kann dir dabei helfen, Veränderungen oder Veränderungsbedarfe frühzeitig zu erkennen, sodass du oder deine Organisation rechtzeitig reagieren könnt.

Zudem kann er dir helfen, Chancen zu erkennen, deine Kreativität zu fördern und neue Ideen zu entwickeln.

In der Ausgabe heute hast du 4 Wege an die Hand bekommen, wie du deinen Anfängergeist kultivieren kannst.

Wie gewohnt bekommst du gleich noch ein paar Ideen, wie du die Inhalte des Newsletters für dich umsetzen kannst.

Zuvor aber noch mal das Wichtigste in Kürze

TL;DR (Too Long; Didn't Read)

  • Der Anfängergeist beschreibt die Fähigkeit, Dinge so zu sehen, als würdest du sie das erste Mal sehen.
  • Er kann dir beim persönlichen Wachstum, ebenso wie beim Führen deines Bereichs helfen.
  • Um den Anfängergeist einzunehmen, ist es wichtig, bestehende Erfahrung, Annahmen, Meinungen oder bestehendes Wissen bewusst auszublenden.
  • Schiebe dein Ego beiseite, welches dir einredet, du müsstest alles wissen.
  • Der Anfängergeist lässt sich durch verschiedene Praktiken kultivieren.

Action Zone

- Wie du aktiv werden kannst - 


  • Erinnere dich an deine Anfangszeit in deiner derzeitigen Position.
    1. Welche Probleme hattest du damals identifiziert, an die du dich heute gewöhnt hast?
    2. Was kannst du tun, um diese Probleme endgültig zu lösen?
  • Beobachte dich selbst und versuche die innere Stimme zu bemerken, wenn sie dir einflüstert: „Ja, das kenne ich schon …“ / „Ja, das weiß ich schon …“ / „… langweilig“.
    Und stelle dir aktiv die Frage: „Was kann ich Neues hier für mich lernen?“
  • Beobachte deine Meinung. Hinterfrage dich regelmäßig, auf welchen Annahmen deine Meinung / dein Vorwissen beruht.
  • Stell dir vor, du wärst ein Kunde deiner Organisation, der das erste Mal zu Besuch bei euch ist.
    1. Wie würde er deinen Bereich wahrnehmen?
    2. Wie die Abläufe und Prozesse?
    3. Welche Probleme oder Störungen würden ihm auffallen?
  • Schule deinen Anfängergeist in verschiedenen Situationen.
    1. Beobachte Meetings mit dem Anfängergeist.
    2. Beobachte innerbetriebliche Abläufe.
    3. Beobachte dein Familienleben.
  • Beobachte deine Kinder beim Spielen (besonders wenn sie selbst gerade im Anfängergeist sind, weil sie selbst etwas Neues entdecken).
  • Bringe dich regelmäßig in Anfänger-Situationen, indem du etwas Neues lernst.
    Beobachte dabei deine Vorgehensweise und deine Perspektive.
  • Das war es wieder für heute.

    In diesem Sinne viel Spaß beim Ausprobieren.

    Alles Gute,

    Niko

    3 Wege, wie ich dich neben diesem Newsletter noch unterstützen kann

    1. 1:1 Coaching: Du willst deine beruflichen und privaten Wachstumsthemen möglichst schnell voranbringen? Erfahre in einem unverbindlichen (und für dich kostenlosen) Gespräch, wie ich dich mit individuellem Coaching dabei unterstützen kann.
    2. Impulsvorträge: Möchtest du deinem Team etwas Gutes tun und die Teammitglieder dabei unterstützen, sich beruflich und privat weiterzuentwickeln? Wie wäre es mit einem Impulsvortrag (neudeutsch Keynote 🥴)?
      Beliebte Themen sind Selbst- & Zeitmanagement, Energiemanagement, Stressmanagement & Resilienz
    3. Workshops & Führungskräfte-Entwicklung: Individuell konzipierte Trainings, Workshops und Entwicklungsprogramme, um dein Führungsteam dabei zu unterstützen, eure derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen zu meistern.

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