#005: Verhaltensänderung leicht gemacht

Newsletter vom 12. August 2023

Lesezeit: 5 Minuten

In diesem Führungsimpuls wirst du eine Methode kennenlernen, mit der du gewünschte Verhaltensänderungen schneller erreichst.

Egal, ob du:

  • mit alten Gewohnheiten brechen,
  • dir neue Gewohnheiten aufbauen,
  • ungewünschte Verhaltensweisen ablegen oder
  • neue Verhaltensweisen aneignen willst.

Das Problem bei Verhaltensänderungen

Die größte Herausforderung beim Ändern des eigenen Verhaltens ist, dass ca. 95 % unseres Verhaltens unterbewusst passiert.

Wir steuern es weder willentlich noch sind wir uns in dem Moment, in dem wir das Verhalten an den Tag legen, dessen bewusst.

Unser Gehirn steuert das Verhalten nach einem „Reiz ➔ Reaktion“ Muster.

Reiz-Reaktions-Schema

Das bedeutet: Unser Gehirn nimmt einen Reiz (z. B. die Worte unseres Gegenübers) wahr und antwortet umgehend mit einer Reaktion (einem Verhalten oder Gedanken).

Diese Reaktionen sind Automatismen in Form von Gewohnheiten oder „Standard Verhaltensweisen“.

In den meisten Fällen sind diese Automatismen hilfreich für uns, denn sie sorgen dafür, dass wir unsere geistige Kapazität für andere Dinge aufwenden können.

Stell dir nur mal vor, du müsstest andauernd daran denken zu atmen – oder jedes Mal beim Laufen bewusst deine Beine zu heben.

Wir wären nur noch damit beschäftigt, zu überleben und könnten uns über nichts anderes Gedanken machen.

Manchmal sind diese Automatismen jedoch weniger hilfreich und unerwünscht.

Z. B. wenn sie dazu führen, dass Menschen:

  • ihren Mitmenschen ständig unbeabsichtigt ins Wort fallen.
  • Dinge essen, bei denen sie sich vorgenommen hatten, sie nicht mehr zu essen.
  • in stressigen Situationen aufbrausend werden, anstatt einen kühlen Kopf zu bewahren.
  • ihren Mitarbeitenden Antworten geben, anstatt coachende Fragen zu verwenden.

In solchen Fällen kann es notwendig sein, das eigene Verhalten zu ändern und durch ein hilfreicheres Verhalten zu ersetzen.

Die einzige Möglichkeit das zu tun, ist das „Reiz ➔ Reaktion“ Schema zu unterbrechen und eine bewusste Entscheidung für ein anderes Verhalten „dazwischenzuschieben“.

Bewusst entscheiden, anstatt einem Reiz zu folgen

Das klingt jedoch einfacher, als es ist … denn in der Praxis läuft das „Reiz->Reaktion“ Muster so schnell ab, dass du gar nicht die Zeit für eine bewusste Entscheidung hast.

Wenn überhaupt, wird uns meist erst lange im Nachgang bewusst, dass wir uns nicht so verhalten haben, wie wir es uns eigentlich vorgenommen haben.

Viele Verhaltensveränderungen scheitern daher aufgrund einer fehlenden Methode, um die Reaktion vom Reiz zu trennen.

Gute Vorsätze allein helfen leider nicht zu einer Verhaltensänderung.

Daher möchte ich dir heute eine „spielerische“ Methode an die Hand geben.

Das „Catch Sooner“ Spiel

Auf das „Catch Sooner“ Spiel bin ich über das Buch „The Responsibility Process“ von Christopher Avery gestoßen.

Von dem Spiel begeistert, habe ich es noch mit Erkenntnissen über erfolgreiche Verhaltensänderungen aus den Büchern „The Power of Habit"* und „Atomic Habits"* ausgebaut.

Rückwirkend betrachtet ist es ein absoluter Glücksfund, denn es hat mir und mehreren hundert meiner Coachees und Teilnehmenden von Führungskräfte-Trainings bisher in vielen erfolgreichen Verhaltensänderungen geholfen:

Ein paar Beispiele:

  • bessere Zuhörer zu werden
  • Fragen zu stellen, anstatt Antworten zu geben
  • konstruktiveres negatives Feedback zu geben
  • positives Feedback zu geben
  • in stressigen Situationen die Ruhe zu bewahren
  • die Handy-Sucht überwinden
  • mehr Sport treiben
  • sich bewusster ernähren
  • … die Liste geht weiter

Was steckt also hinter dem Catch Sooner Spiel?

Die Idee dieser Methode ist es, den Zeitraum zwischen Reiz und dem Bewusstwerden über ein unerwünschtes Verhalten im Laufe der Zeit immer geringer zu bekommen.

So, dass man sich schon irgendwann „vorher“ ertappt, bevor man das unerwünschte Verhalten zeigt …

… und sich dann bewusst für das neue Verhalten entscheiden kann.

Reiz bewusst wahrnehmen

Wichtig dabei ist, dem Ganzen einen spielerischen und neugierigen Charakter zu geben und sich nicht über das unerwünschte Verhalten zu ärgern, sondern sich zu freuen, dass es einem immer früher auffällt.

Wenn du das Catch Sooner Spiel anwenden willst, folgst du am besten folgenden 4 Phasen:

Phase 1 – Reflektiere am Ende des Tages

Beginne das Catch Sooner Spiel damit, dir eine Verhaltensweise herauszusuchen, welche du dir an– oder abgewöhnen möchtest.

Setze dir am Ende jedes Tages einen Zeitblocker von wenigen Minuten und reflektiere deinen Tag:

  • Gab es Situationen, in denen du bezogen auf deine ausgesuchte Verhaltensweise gerne ein anderes Verhalten gezeigt hättest?
  • Was war der Reiz, der das Verhalten ausgelöst hat?
  • Gehe im Kopf die Situation nochmals durch – nur dass du sie dieses Mal mit der gewünschten Verhaltensweise durchspielst.

Nach einer gewissen Zeit wirst du feststellen, dass dir plötzlich schon vor der abendlichen Reflexion auffällt, dass du das unerwünschte Verhalten gezeigt hast.

Das ist der Punkt, an dem du in Phase 2 kommst.

Phase 2 – Erwische dich früher

In dem Moment, in dem es dir auffällt:
  • Feiere dich, dass es dir bereits vor der abendlichen Reflexion aufgefallen ist.
  • Reflektiere: Was war der Reiz, der das Verhalten ausgelöst hat?
  • Gehe im Kopf die Situation nochmals durch – nur dass du sie dieses Mal mit der gewünschten Verhaltensweise durchspielst.
  • Nimm dir vor, dich beim nächsten Mal früher – also näher am Ereignis – zu „erwischen“.

Mit etwas Zeit und Übung wirst du dich direkt nach der unerwünschten Handlung erwischen.

Dann beginnt Phase 3

Phase 3 – Erwische dich „live“

Wenn du so weit bist, dass du dich unmittelbar nach dem unerwünschten Verhalten erwischst, ist der nächste Schritt live darauf zu reagieren.

Sobald es dir auffällt:

  • Feiere dich, dass es dir live aufgefallen ist.
  • Überlege dir, wie du korrigierend eingreifen kannst, um das erwünschte Verhalten zu zeigen.
  • Führe das gewünschte Verhalten aus.
  • Nimm dir vor, dich noch früher – also vor dem Entstehen des Verhaltens – zu erwischen.
  • Überlege im Nachgang, was der auslösende Reiz war.

Nach einer gewissen Zeit wirst du feststellen, dass du direkt beim Reiz deinen inneren Drang, die unerwünschte Verhaltensweise auszuführen, bemerkst.

Das bringt dich in die Phase 4.

Phase 4 – das neue Verhalten zur Gewohnheit machen

Inzwischen bist du so weit, dass du dein unerwünschtes Verhalten erkennst, bevor du es ausführst.

Jedes Mal, wenn das vorkommt:

  • Feiere dich, dass es dir vorher aufgefallen ist.
  • Überlege dir, wie du stattdessen handeln möchtest.
  • Führe die gewünschte Verhaltensweise aus.
  • Überlege im Nachgang, was der auslösende Reiz war.
    Feiere dich, noch mal. 😉

Mit jedem Mal, bei dem du dich bewusst für das neue Verhalten entscheidest, wird dieser Weg in deinem Gehirn gefestigt …

… bis das neue Verhalten irgendwann zur Gewohnheit wird.

Das war das Catch Sooner Spiel.

Ich hoffe, du wirst genauso viel Gefallen daran finden, wie meine Coachees und Trainingsteilnehmer.

Gelegenheiten, das Spiel auszuprobieren, wirst du durch die vergangenen und kommenden Führungsimpulse genug haben …

… denn, wie ich dich einschätze, ist es dir wichtig, meine E-Mails nicht nur in deinem Postfach zu sammeln, sondern auch das Wissen anzuwenden. 😉

Action Zone 

- Wie du aktiv werden kannst -


  1. Überlege dir eine zu verändernde Verhaltensweise.
  2. Übe dich im Catch Sooner Spiel mit ihr.
  3. Hab Spaß dabei!

Jetzt viel Spaß beim Anwenden des Catch Sooner Spiels.

Alles Gute,
Niko

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